Lawine – Eine neuer Ratgeber des Tiroler Lawinenwarndienstes

Neuer Praxisratgeber über Lawinen

Aus Schaden klug werden. Diesen Ansatz verfolgen Rudi Mair, Leiter des Lawinenwarndienst Tirol und sein Stellvertreter Patrick Nairz mit ihrem neuen Buch „Lawine.“ Das Autorenteam analysiert Lawinenunfälle in Nordtirol der vergangenen Jahre und weist ihnen zehn immer wiederkehrende identische Gefahrenmuster zu.

Die neue Methode für die Beurteilung von Lawinengefahr geht davon aus, dass sich bei Lawinenabgängen gleiche Gefahrenmuster ständig wiederholen. Anhand der Unfälle von vergangenen Wintern haben die Autoren eine praxisnahe, gut nachvollziehbare Systematik für das Risikomanagement für Winterbergsteiger und Skifahrer eingeführt. Der studierte Meteorologe und Glaziologe Rudolf Mair und Patrick Nairz, der Wildbach- und Lawinenverbau studiert hat, gehen von zehn typischen Gefahrenmuster (gm1 bis gm10) aus.

Gefahrenmuster

Diese hängen vom Wetter, der Temperatur, der Jahreszeit und dem Schneedeckenaufbau ab und haben typische, leicht zu merkende Bezeichnung Gefahrenmuster 1 ist beispielsweise der „der zweite Schneefall“, das Gefahrenmuster 5 ist der „Schnee nach langer Kälteperiode“. Diese Einteilung ergänzt die bisherige Systematik nach den bekannten Lawinengefahrenstufen von Stufe 1 „geringe Lawinengefahr“ bis zur Stufe 5 „sehr große Lawinengefahr“, die für den Wintersportler zwar für eine grobe Beurteilung geeignet ist, aber zu wenig differenziert ist, weil die Ursache für die Einteilung in den Stufen dafür verschiedene Gründe haben kann.

Neu bei dieser Einteilung ist, dass dabei nicht wie früher alleine das Wettergeschehen für das Entstehen der Lawinengefahr beurteilt wird, sondern als weiteres wichtiges Kriterium zusätzlich der langfristige Schneedecke mit der Bildung von Schwachschichten über den gesamten Winter mit berücksichtigt wird.

Im ersten Teil des Buches werden anhand übersichtlicher Grafiken und Fotos die Faktoren der Lawinengefahr erläutert und wie die verschiedenen Gefahrenmuster räumlich sowie jahres- und tageszeitlich verteilt sind. Beispielsweise erfährt man, dass eingeschneite Graupelkörner eine Gleitschicht darstellen, die typischerweise in Geländevertiefungen wie Mulden oder unterhalb von Felsen auftritt.

Brisanz

Des weiteren werden die Gefahrenmuster nach Brisanz unterteilt. Zum Beispiel richten Lawinen des Gefahrenmusters 5 „Schnee nach langer Kälteperiode“ und des Gefahrenmusters 10 „Frühjahressituationen“ mit Abstand am meisten Schaden an, was an der großen Menge des auftretenden Schnees, der bei diesen Mustern vorkommt, liegt.

Im zweiten Teil des Buches beschreiben die Autoren nicht ohne einer gewissen Gänsehaut erzeugenden Dramatik Lawinenunfälle der letzten Jahre in Nordtirol. Diese werden hinsichtlich Schneedeckenaufbaus, des Wetters und des Geländes analysiert und den entsprechenden Gefahrenmustern zugeordnet. Dazu begleitend verstehen die Autoren ihr meteorologisches Fachwissen wie Taupunkt, Strahlung und Reif dem Laien in einer didaktisch gut aufgebauten und mit Graphiken versehenen Form zu vermitteln. Das gleiche gilt für die Erklärung der Umwandlungsprozesse des Schnees und seine Folgen.

Im Anhang gewähren die beiden Experten Einblick in zwei Arbeitstage beim Lawinenwarndienst Tirol. In den Tagebuchaufzeichnungen wird der Tagesablauf vom Eintreffen in der Zentrale um fünf Uhr morgens über das Verfassen des Lawinenwarnberichts um sieben Uhr bis zur Bettruhe um elf Uhr abends beschrieben.

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