Ratgeber Fliegenangeln

Angeln gehört zu den beliebtesten Hobbys in Deutschland. Kein Wunder: Man genießt die himmlische Ruhe und hat mit etwas Glück sogar noch ein leckeres Essen auf dem Teller. Besonders das Fliegenangeln eignet sich auch gut für Anfänger und Gelegenheitsangler, daher wollen wir uns hier speziell mit dieser Angeltechnik befassen.

Beim Angeln benutzt man eine Angelrute, eine Angelrolle, eine Angelschnur, einen Haken und einen Köder. Eine kurze Erklärung zur Rute: Unter einer Angelrute versteht man ein Gerät, mit dem das Fangen von Fischen wesentlich erleichtert wird. Sie hat die Aufgabe, den Köder am Angelhaken besser und leichter positionieren zu können. Der Aktionsradius wird durch die Angelrute ebenfalls erleichtert. Man unterscheidet zwischen Teleskop- und Steckruten. Sehr gute und qualitativ hochwertige Angelruten werden heute aus Glasfaser und/oder Kohlefaser hergestellt.

Es gibt generell verschiedene Angelmethoden. Man unterscheidet beispielsweise zwischen Brandungsfischen, Feederfischen, Fliegenfischen, Hegenfischen, Karpfenangeln, Meeresfischen, Nachtangeln, Eisangeln und noch einigen weiteren – meistens ausgefalleneren – Angelmethoden.

Brandungsfischen tut man von einer Klippe oder direkt vom Strand aus, man verwendet dazu verhältnismäßig schwere Gewichte und Ruten. Beim Feederfischen versucht man Weißfische zu fangen. Beim Hegenfischen benutzt man mehrere Köder gleichzeitig. Unter Karpfenangeln, im englischen auch als Carpfishing bezeichnet, versteht man eine spezielle Art des Fangs von Karpfen. Meeresangeln findet auf hoher See statt, hier werden hauptsächlich Dorsch, Makrele und Köhler gefangen. Aber auch Hering, Aal, Meerforelle und Schollen. Nachtangeln bezeichnet primitiver weise alle Arten des Angelns die in der Dunkelheit stattfinden. Eisangeln tut man im Winter und auf gefrorenen Gewässern.

Fliegenangeln

Was macht das Fliegenangeln aus? Was ist das Besondere am Fliegenangeln?
Fliegenangeln bezeichnet man häufig auch als Fliegenfischen. Man versteht darunter eine aktive Art des Angelns, bei der zuerst der Zielfisch auserkoren wird und anschließend der Köder mit Hilfe der Fliegenrute und der Fliegenrolle präsentiert wird. Der Köder stellt dabei die natürliche Nahrung der Fische da, er imitiert quasi die natürliche Nahrung wie zum Beispiel Insekten. Da der am meisten verwendete Köder Fliegen sind spricht man auch vom Fliegenfischen. Weitere Köder die in Frage kommen sind häufig auch Streamer und Nymphe.

Die verwendeten Fliegenköder sind ca. 1 cm groß und haben leichte Federn. Hier ist noch zu unterscheiden zwischen Nassfliegen und Trockenfliegen. Letztere schwimmen nicht direkt im Wasser, sondern auf der Wasseroberfläche. Bei den Nassfliegen ist es so, dass diese meistens direkt im Wasser schwimmen, oder alternativ auch im Film der durch die Wasseroberfläche gebildet wird.

Bei Streamern handelt es sich um größere Köder. Sie können bis zu ca. 20 cm groß sein und sollen meistens kleinere Fische imitieren, d.h. der zu fangende Fisch soll denken dass er den Köder essen kann und beißt somit an. Nymphen sollen aufsteigende Insekten imitieren und werden deshalb nur unter der Wasseroberfläche eingesetzt.

Fliegenruten

Zum Fliegenangeln oder Fliegenfischen wird in der Regel keine herkömmliche Rute verwendet, sondern eine sogenannte Fliegenrute. Fliegenruten werden manchmal auch als Flugangeln bezeichnet. Wenn man normale Spinnruten und Fliegenruten vergleicht, so weisen Fliegenruten eine parabolische Aktion auf, Spinnruten nicht. Der Grund dafür ist, dass die schwerere Fliegenschnur durch das Auswerfen eine gewisse Distanz zwischen Fischer und Köder erreicht wird.

Welche Rute wählt man für das Fliegenfischen? Beim Auswählen der Fliegenrute sollte man darauf achten, wo man überhaupt fischen möchte. In welchem Gewässer: See, Fluss oder Meer? Und in welchem Land? Die Fischart ist für die Auswahl der Rute natürlich auch relevant. Was soll gefangen werden: Forelle, Hecht, Lachs, Weißfisch, Schwertfisch, etc.? Wenn in großen Gewässern gefangen werden soll, so wählt man in der Regel eine etwas größere Rute (10 ft oder noch mehr) um sich das weite Werfen etwas zu erleichtern. Für kleinere Gewässern eignet sich eine kürzere Rute besser (zum Beispiel 8 ft), damit man nicht mit eventuell vorhandenen Ästen und Bäumen in Konflikt gerät.

Rutenklassen

Es gibt verschiedene Klassen von Fliegenruten. Diese werden nach dem sogenannte internationalen AFTMA-Klassenschema eingeteilt. Das Schema wurde von der American Fishing Tackle Mafucaturers Association (AFTMA) erstellt.
Die Einteilung erfolgt nach der mit der Rute werfbaren Schnurklasse. Man unterscheidet auch zwischen Einhand- und Zweihandruten. Zweihandruten werden häufig verwendet, wenn man große Fische fangen möchte (zum Beispiel den atlantischen Lachs). Die Klassenstufen sind von 1 bis 12 durchnummeriert.

Klasse 1 stellt dabei eine sehr leichte Rute dar, für die viel Gefühl aufgewendet werden muss beim Werfen. Bei einer Rute der Klasse 12 handelt es sich eher um ein grobes Gerät, das auch auf hoher See für große und schwere Fische verwendet wird. Häufig deckt eine spezielle Rute gleich mehrere Klassen ab. Gängig sind Ruten, welche die Klassen 6, 7 und 8 abdecken. Sobald man sich für eine bestimmte Rute in einer bestimmten Klasse entschieden hat, richtet sich sämtliches anderes Zubehör wie Rolle und Fly-Line nach dieser Rutenklasse.

Aktuelle Fliegenruten werden heute meistens aus Kohlefaser hergestellt. Manchmal wird auch noch Hohlglas verwendet, welches allerdings den Nachteil hat, dass es schwerer ist und in der Aktion auch langsamer. Von einigen Fliegenfischern wird auch eine Rute aus speziellem Bambus bevorzugt. Es handelt sich dabei um Bambus der Art Arundinaria Amabilis, die besonders viele Fasern enthält. Solche Bambusruten erfordern auch eine spezielle Wurftechnik. Man sagt, dass die Bambusruten insgesamt steifer und schneller sind, sofern man die angepasste Wurftechnik beherrscht.

Ausrüstung für das Fliegenangeln

Wenn Sie neu in das Fliegenangeln einsteigen, fragen Sie sich sicherlich, welche Geräte Sie dazu brauchen. Im Folgenden geben wir Ihnen ein paar Tipps zu den Geräten und verraten Ihnen, was Sie sonst noch so beachten müssen.
Als erstes eine gute Nachricht: Egal welche Gerätschaften Sie sich zulegen, schlecht werden sie sicherlich nicht sein, denn schlechte Geräte gibt es heute kaum noch. Selbst zum Preis von ca. 200.- Euro bekommen Sie schon eine komplette, brauchbare und gute Ausrüstung.

Die erste Frage ist immer: Welche Rute brauchen Sie? Das hängt natürlich von der Fischart ab, die Sie fangen möchten. Sind Sie auf kleinere Fische aus wie zum Beispiel Barsche, Weißfische und Äschen, dann ist eine Rute der Klasse 5 zu empfehlen. Mit einer solchen Rute können Sie ohne Probleme mit Nassfliegen, Trockenfliegen oder Nymphen hantieren und diese als Köder verwenden. Mit ein wenig Übung können Sie auch einen kleineren Streamer mit einer Rute der Klasse 5 werfen. Falls Sie jedoch überwiegend mit einem Streamer als Köder arbeiten möchten, um beispielsweise Hechte und Meeresforellen zu fangen, dann ist eine Rute der Klasse 8 besser geeignet. Damit können dann, im Gegensatz zur 5er-Rute, auch größere Streamer geworfen werden. Als Länge der Rute eignet sich eine Rute mit ca. 270 Zentimetern (entspricht 9 ft).

Nachdem die Rute ausgewählt ist müssen Sie sich für eine Leine entscheiden. Für alle Ruten (Klasse 5 und Klasse 8) empfiehlt sich eine Schnur vom Typ „WF“. WF steht dabei für Weight Forward, wobei es sich um eine Keulenschnur handelt. Die WF-Schnur sollte auf der Wasseroberfläche schwimmen, achten Sie also auf das zusätzliche Verpackungskürzel „F“, das für Floating (also schwimmend) steht. Leinen vom Typ WF eignen sich besonders gut, da damit auch schwerere und größere Fliegen gut geworfen werden können. Weiterhin gibt es noch zu beachten, dass die Leine zu der Rutenklasse kompatibel ist. Dazu steht zusätzlich zu der Bezeichnung WF noch die Schnurklasse mit auf der Verpackung. Zum Beispiel WF5F für eine WF-Leine die schwimmt und für die Rutenklasse 5 geeignet ist. Analog dazu gibt es auch eine WF8F-Schnur.

Nachdem die Fliegenrute und die Leine ausgewählt sind, geht es um die Frage, welche Rolle benötigt wird. Beim Kauf gibt es eigentlich nicht viel zu beachten, denn die Rolle dient im Prinzip lediglich dazu, die Leine aufzubewahren. Das ist selbst mit der einfachsten Rolle problemlos möglich. Die Frage der Rolle ist also eher eine Frage des persönlichen Geschmacks. Hier können Sie durchaus auch eine günstigere Rolle kaufen, wenn Ihr Budget sehr begrenzt ist.
Beim Backing handelt es sich um eine Nachschnur, die an der Rollenspule hängt und an die die Flugschnur befestigt wird. Sie dient als Leinenreserve, falls doch mal ein größerer Fisch anbeißen sollte. Für die Wahl des Backings bedarf es keiner besonderen Empfehlung. Hier können Sie ein Backing mit einer Tragkraft von ca. 9 Kilo (entspricht 20 lbs) benutzen.

Für das Vorfach können Sie ein ganz einfaches Monofil-Vorfach in der entsprechend Rutenlänge (also in der Regel 270 Zentimeter) nehmen. Für einer Rute der Klasse 5 eignet sich eine 0,18er Spitze. Für die Rute der Klasse 8 ist eine Spitze von 0,25 Millimetern geeignet. Zusätzlich brauchen Sie natürlich noch das wichtigste, die Fliegen als Köder selbst. Diese bewahrt man am besten in einer Fliegenbox auf. Hier gibt es verschiedene Modelle auf dem Markt.

Fliegenarten

Beim Fliegenangeln unterscheidet man verschiedene Arten von Fliegenködern. Man unterscheidet grundsätzlich zwischen Trockenfliegen, Nassfliegen, Nymphen und Streamern. Der Erfolg beim Fliegenangeln hängt im Wesentlichen von der verwendeten Fliege ab. Doch vor dem Erfolg steht erst einmal die Qual der Wahl, denn das Angebot im Fachhandel ist groß.

Trockenfliegen
Als Allroundtalent zum Fliegenangeln ist unter den Trockenfliegen die „Adams“ bekannt. Diese imitiert besonders gut Eintagsfliegen. Hier eigenen sich besonders gut die Größen 12, 14 und 16, um alle gängigen Eintagsfliegen nachahmen zu können. Um abends gut zu fangen, eignet sich die Köcherfliege, ebenfalls in verschiedenen Größen. Die Köcherfliege wird häufig unter der Bezeichnung „Caddis“ im Fachhandel verkauft.

Nassfliegen
Für Nassfliegen gibt es verschiedene Empfehlungen. So sollen jene mit dunklem Muster und rotem Schwanz besonders häufig zu einem guten Fang führen. Als Größe sind hier 8 und 10 geeignet.

Nymphe
Als Nymphe kann die altbewährte Goldkopfnymphe empfohlen werden (Größen 12 und 14). Generell sind Nymphen mit dunklem Brustbereich und hellerem Körper gut geeignet zum Fangen.

Streamer
Der bekannte Wooly Bugger in schwarzer Farbe ist wohl einer der bekanntesten Streamer für einen guten Fang. Die sollten Sie besonders die Größen 4 und 6 in Ihrer Box dabei haben.

Fliegenrolle und Schnüre
Der Fliegenrolle kommt grundsätzlich nicht allzu viel Bedeutung zu, da sie lediglich als Aufbewahrungsort für die Leine dient. Wer allerdings häufiger Fliegenangeln betreibt, schon mehr gefangen hat und etwas professioneller vorgehen möchte, der legt sehr wohl Wert auf die richtige Rolle. Nur mit einer guten und passenden Rolle kann man den Fang schnell genug einziehen, ohne dass er eventuell wieder entwischt.
Man unterscheidet zwischen Floating Lines und Sinking Lines. Erstere schwimmen auf der Wasseroberfläche, Sinking Lines dagegen sinken. Floating Lines sind meistens hell gehalten in gelb, weiß oder orange. Sinkende Schnüre haben meistens dunklere Farben wie braun, blau oder schwarz.

Die Schnüre haben verschiedene Designs. Man unterscheidet zwischen Double Taper, Rocket Taper, Bug/Saltwater Taper und Shooting Taper. Die Rocket Taper Schnur zieht leicht ab. Der Grund liegt im Schwerpunkt der Schnur, dieser liegt an der Spitze. Als Nachteil der Rocket Taper Schnur gilt, dass diese beim Werfen nicht ordentlich aufs Wasser aufsetzt und so Spritzer erzeugt die eventuell Fische verscheuen. Eine Double Taper Schnur kann, wie der Name schon andeutet, beidseitig verwendet werden.

Glossar: Abkürzungen

Beim Fliegenangeln gibt es verschiedene Abkürzungen, mit denen Sie vertraut sein sollten:
DT: Steht für „Double Taper“ und bezeichnet eine Schnur, die beidseitig verwendet werden kann.
F: Die Abkürzung steht für „Floating“ und bedeutet, dass die Schnur auf der Wasseroberfläche schwimmt.
F/S: Das F in der Abkürzung steht für Floating und das S für Sinking. Es ist damit eine schwimmende Schnur gemeint, die eine sinkende Spitze besitzt. Zu dieser sinkenden Spitze sagt man auch Sinktip.
Grain: Bei Grain handelt es sich um eine Gewichtsangabe für Schnüre. 1 Grain entspricht dabei 0,065 Gramm.
I: Die Abkürzung I steht für Intermediate und bezeichnet eine langsam sinkende Schnur.
S: Diese Abkürzung ist das Pendant zu „F“ und steht für „Sinking“. Gemeint ist also eine sinkende Schnur. Hier unterscheidet man zusätzlich noch zwischen verschiedenen Klassen, die angeben, wie schnell eine Schnur sinkt.
Taper: Unter „Taper“ versteht man die Form der Flugschnur.

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